"Man reist nicht nur um anzukommen,
sondern vor allem, um unterwegs zu sein."

(Goethe)

16.01.2013

Mauretanien über Diama nach Senegal


In Nouakchott verlängern wir spontan noch eine Nacht, da uns der Abschied von Julia und Sebi so schwer fällt ;( Außerdem müssen wir unbedingt noch Geld abheben und wechseln für den Grenzübergang von Senegal.
Während die Männer die Bankgeschäfte erledigen und sich übers Ohr hauen lassen bezüglich Wechselkurs ;) gehen Debo, Julia und ich auf den „Stoffmarkt“. Seit langem sehen wir wieder mal so viele Frauen auf einen Haufen. Wir brauchen sehr lange um aus dieser riesigen Auswahl an schönen Stoffen einen auszusuchen. Außerdem wollen wir zuerst die Preise erfahren, um nicht abgezockt zu werden. Eine junge Frau quatscht uns an und fragt woher wir kommen und verrät uns, wie viel sie normalerweise für einen Stoff bezahlt. Diesen Preise bekommen wir leider auf keinen einzigen der Ständen. Wir bezahlen das Doppelte - Touri-Preise eben!
Es macht uns aber nichts aus, denn wir genießen diesen Flair auf dem Frauenmarkt. Außerdem werden wir von dieser einen jungen Dame zu ihr nachhause eingeladen. Sie zeigt uns ihr Haus und ihre Kinder. Gemeinsam essen wir Mandarinen und lassen uns von ihr etwas über Mauretanien erzählen.
Am 9.1.müssen wir Nouakchott und somit auch Julia&Sebi verlassen, die wieder zurück nach Marokko fahren um dort Freunde zu treffen. Der Abschied fällt mir persönlich sehr schwer – wir hatten eine supertolle und schöne Zeit zusammen und sie sind uns so richtig ans Herz gewachsen. 

Sehr früh verlassen wir also am 9.1. Nouakchott und fahren Richtung Diama (ca. 200 km) – ein Grenzübergang zum Senegal. Angeblich soll dieser im Gegensatz zum Grenzübergang „Rosso“ (anscheinend der schlimmste in ganz Afrika) nicht so fürchterlich sein. Der Grenzübergang bei Diama geht in Form einer Sandpiste entlang  des Senegalflusses, der die beiden Länder voneinander trennt, durch den Nationalpark Djoudji, über eine Staudamm-Brücke. Ein Einheimischer hat uns zuvor noch einen Tipp gegeben, die Piste ca. 40 km nach dem Ort „Tigint“ zu nehmen. Somit kürzt man die Teerstraße von Rosse nach Diama ab. An diesem Tag schaffen wir es bis 5 km vor die Grenze, die Piste war wunderbare Sandpiste, gemütlich zum fahren: 30 km vor der Grenze erreicht man den Nationalpark Djoudji und muss hier 2000 UM pro Person Eintritt bezahlen. Auf der Piste kommen wir bei einem Unfall vorbei. Die 5 Senegalesen sind mit ihrem Bus gegen einen Baum gefahren, dabei ist der Kühler kaputt gegangen. Sie sind schon 2 Tage auf der Piste gestanden, keiner wollte ihnen helfen... Gut dass die Sozialarbeiter-Ösis stehen bleiben und ihnen helfen ;) Während ich einen der Männer, der sich seinen Kopf am Lenkrad blutig geschlagen hat, verarzte, helfen Rene, Till u. Oliver mit Hilfe von Landy’s Seilwinde das Frontblech des Buses gerade zu biegen. Einer der Senegalesen hat schon mal begonnen, den Kühler, der undicht war, mit Plastik, dass er am Feuer geschmolzen hat, zu stopfen. Das ist afrikanisches Improvisationstalent par excellence. Wir lassen ihnen noch 10 liter Wasser da und fahren weiter.
Es kommen uns noch zahlreiche Autos und Mopeds von der „Ralley Dakar“ entgegen und im Nationalpark angekommen sehen wir zahlreiche schöne Vögel, Pelikane (die Viecher sind riesig), Wildpferde, Adler und Warzenschweine (Pumba von König der Löwen) Die Vegetation gleicht einer typisch afrikanischen Gras-Savanne. Inmitten von Baobab Bäumen und Warzenschweine suchen wir uns einen schönen Platz für die Nacht. Am nächsten Tag machen wir uns auf, um die Grenze zum Senegal zu passieren. Entgegen aller Befürchtungen und Ängste, wir lassen dort viel Geld und Energie, waren diese Grenzformalitäten eine der gemütlichsten, die wir jemals erlebten. Selbst die Formalitäten auf der Fähre nach Marokko gestaltetn sich wesentlich komplizierter.

Auf mauretanischer Seite (N ) :
Zoll: 4.000 UM
Ausreisestempel Polizei: 4.000 UM
Taxe d. Gemeinde N’bago: 500 UM
Zuerst versuchte noch ein Polizist, der eigentlich nur die Pässe kontrolliert, uns 4000 UM abzuknöpfen. Wir wussten vorher genau, was wir wo bezahlen mussten (die Info hatten wir vorher von einem Mauretanier eingeholt) also wussten wir, dass wir 4000 bei der Polizei bezahlen müssen. Brav bezahlen wir natürlich. Als wir dann aber noch mal bei einem anderen Polizisten, der uns den Ausreisestempel gab, 4000 UM bezahlen mussten, wurden wir stutzig. Quittung gabs natürlich keine und wir wussten dass hier irgendwas faul war. Bei dem 2. Polizisten war nix zu machen, also beschloss Till noch mal zum 1. Zurückzugehen und ihn zu fragen, für was wir die 4.000 UM pro Fahrzeug eigentlich zahlen mussten. Augenblicklich gab er uns das ganze Geld wieder zurück. Natürlich gestand er seinen Abzockeversuch nicht ein – er redete sich aufs Visum raus – das hätte er im Pass übersehen! :D haha
Nach 15 min waren wir mit der mauretanischen Seite fertig und konnten auf der Brücke den Senegalfluss überqueren.

Senegalesischer Grenzposten (N ):
Gleich nach der Brücke ist hier eine Brückengebühr von 4.000 CFA (oder 8€) fällig.
Einreisestempel bei Polizei: 6.000 CFA (oder 10 €)
Carnet abstempeln und Fahrzeug im Pass eintragen: 2.500 CFA
Letzteres war unsere größte Sorge, da sie das Carnet anscheinend nicht immer abstempeln und man dann ein so genanntes passavant, dass nur 3 Tage gültig ist und viel Geld kostet, nehmen muss. Bei uns war das überhaupt kein Problem und der Beamte stempelte unsere carnets für 3 Monate, nachdem er eine kurze Zigarettenpause machte. ;)
Auf Beiden der Grenzposten gibt es auch noch Versicherungsbüros, die die KFZ Versicherung ausstellen. Auf senegalesischer Seite kostet diese für einen LKW und 1 Monat allerdings 60 €.



Das Angebot ist groß am "Frauenmarkt" in Nouâkchott

Auf der Piste nach Diama - Sozialarbeiter mit Helfersyndrom 

auf der Piste muss improvisiert werden - Kühler schweissen mit geschmolzenem Plastik 
kurz vor dem Senegalfluss ist alles grün - eine Wohltat für die Augen



Wildpferde im Nationalpark Djoudji

Pelikane




Pumba


Nachtlager mit Savannen-feeling








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