"Man reist nicht nur um anzukommen,
sondern vor allem, um unterwegs zu sein."

(Goethe)

22.09.2014

Auf den Spuren der Römer


Da wir diese Piste durch die Osum Schlucht mit unserem Ungetüm nicht fahren konnten, brausen wir wieder zurück nach Berat (der Abstecher in die Schlucht wars trotzdem wert) Dort hocken wir uns mal in ein Internetcafe und saugen uns detailliertes Kartenmaterial von Albanien für unser Garmin – wir wollen eine andere Piste probieren, und zwar fahren wir eine alte Römerstraße die uns von Berat weg über die Berge (ca. 950m) nach Kelcyre führt. Gut 70 km lang soll die sein – wir rechnen dafür einen Tag ein und da wir erst am späten Nachmittag von Berat wegkommen, bietet es sich gut an, sich irgendwo in der Pampas der Berge einen Übernachtungsplatz zu suchen.
Die Piste führt uns durch wunderschöne Olivenhaine, vorbei an ursprüngliche Dörfer und Schafherden mit deren Hirten. Immer wieder haben wir traumhafte Ausblicke auf die umliegende Berglandschaft.  Die alten Pflastersteine der Römer kann man noch sehr gut erkennen, die Randsteine markieren unseren Pistenverlauf und teilweise ist es richtig holprig, was uns nur im Schneckentempo vorankommen lässt. Aber das ist gut, so können wir wirklich diese schöne Landschaft bewundern.

Wieder Asphalt unter den Reifen, fahren wir gleich weiter zum nächsten Traumplatz: die Heißen Quellen von Benja nahe der griechischen Grenze.  Der Fluss "Liengarica", im Sommer ein Rinnsal, ist ein bemerkenswertes Naturgebilde. Sie hat sich mit ihren starken Winterwässern mehre Meter tief, aber oft kaum 5 Meter breit, in den Sandstein geschnitten und bildet einen Canyon vom Feinsten. 
Wir machen eine Fluss-Kraxl-Wanderung weit in den Canyon hinein und anschließend gönnen wir uns ein warmes Bad in den dampfenden Schwefel-Quellen mit Blick auf die umliegende Berglandschaft. Hier lässt sichs echt aushalten.

 
Die Römerstraße führt durch Olivenhaine durch die Berglandschaft


Unterwegs treffen wir immer wieder auf Schafherden

unser Übernachtungsplatz auf fast 1000 Höhenmeter

die alten römischen Pflastersteine sind entlang der ganzen Piste noch richtig gut erhalten.


wir kommen an 3 Gebirgsseen vorbei

Bei den Thermalquellen von Benja


wohltuendes Schwefelbad

auch hier noch eine erhaltene Steinbrücke aus der Römerzeit


Flusswanderung durch den Canyon

19.09.2014

Berat - Stadt der tausend Fenster

Berat, am Fluss Osum gelegen, ist eine der ältesten Städte Albaniens, UNESCO Weltkulturerbe und die Stadt "der tausend Fenster". Nicht nur eine Sehenswürdigkeit, die man gesehen haben muss, sondern das muss man wirklich gesehen haben. Eine Augenweide. Begeistert sind wir zudem vom Essen in Albanien: gefüllte Paprika mit Schafkäse, Pizzas und verschiedene vegetarische Gerichte, aus dem Steinofen – natürlich mit Käse überbacken. Genau unser Geschmack. Ein Hauptgericht kostet 3-4 Euro. Wenn wir essen gehen, brauchen wir also keine 10,- inkl. Getränke. Das gefällt mir!


über Schlagloch-Straßen nach Berat











Nach unserer Stadtbesichtigung fahren wir weiter, den Osum entlang, in die Osum Schlucht hinein und wollen dort am morgigen Tag eine Piste durch die Schlucht fahren... Soll angeblich auch mit unserem LKW möglich sein... Schauma mal


Immer wieder kommen uns solche Autos entgegen - Albaner sind recht heiratswütig ;)

tataaa - die Osum-Schlucht

tataaaa, die Carmen vor der Osum-Sclucht


Bretter Brücke - ob die ein paar Tonnen aushält?




Beginn der Piste - leider, wir müssen wieder umkehren - zu weggeschwemmt, zu eng für Schlumpi :( Schade

18.09.2014

Albanien


Wir reisen am 3. September in Albanien ein. In Montenegro werden wir noch darauf hingewiesen, dass unsere grüne Versicherungskarte gar nicht für Montenegro gültig ist. Aber der Grenzbeamte meint augenzwinkernd, wir sollen schnell fahren, wir seien ja ohnehin gleich in Albanien. Können wir nur hoffen, dass das beim zurückfahren keinem auffallen wird. Wir verlassen die EU und werden an der Grenze von freundlichen und scherzenden Grenzbeamten begrüßt. Sie wollen wissen, ob wir da auch keine Waffen in unserem LKW haben und können ihre Neugier befriedigen, indem sie einen kurzen Blick in unseren Wohnaufbau werfen.
Wir passieren die Grenze in Hani i Hotit, fahren am Shkoder-See entlang und checken im Campingplatz Nähe der Stadt Shkoder ein, mal schauen, ob wir hier auf andere Overlander treffen und uns nähere Pisteninfos einholen können...
Regen haben wir noch immer im Nacken, aber es ist bereits um eeeeeeiniges wärmer - ja sogar ziemlich schwül und wenn mal die Sonne rauskommt, funktioniert sogar unsere photovoltaik. 



im Norden Albaniens gibts viel Wein

viele Erinnerungen an Afrika

Till steht vor einer sehr schwierigen Entscheidung

und wenns mal nicht regnet, baden im Shkoder-See



Wir treffen auf andere Overlander, Deutsche im schönen Mercedes LKW, Bayer auf Weltreise im Syncro & Tschechen, die per Anhalter unterwegs sind. Diesen Abend trinken wir Sliwowitsch. Prost.

allgegenwertiges Bild in Albanien - Baustellen!

...oder Bauruinen!


Albanien macht es  anderen europäischen Ländern nach... Das Land war - ich glaube bis 1985 unter kommunistischer Regierung. Enver Hoxha griff damals zu brutaler Gewalt, um sich die Herrschaft im Lande auf Dauer zu sichern. Er  isolierte das albanische Volk  von jeglichem der internationalen Entwicklungsvorgänge. 1997 kam es dann zu einer Finanzkrise, infolge zu explosiven Gewaltausbrüchen, wobei es der Intervention der OSZE bedurfte, um wieder Stabilität herzustellen. Albanien möchte auch gern Mitglied der EU werden, gilt aber derzeit vielen in der EU als nicht beitrittsreif.
Auch der Tourismus boomt - vorallem an der Küste - überall wird gebaut und in Hotelanlagen, Straßennetz, Restaurants, Shops und dergleichen investiert. Außerdem gibts alle gefühlte Hundert Meter eine Tankstelle, alle haben einen anderen Namen, viele sogar das gleiche Logo mit anderem Namen oder umgekehrt. Wahrscheinlich einmal eine gute Geschäftsidee, in die viele investiert haben.




Wir besuchen die Stadt Kruja - ein UNESCO Weltkulturerbe - geschichtlich kennen wir uns überhaupt nicht aus, muss man trotzdem gesehen haben, sagt der Reiseführer ;) Tatsächlich nicht so schlecht, muss ma scho gesehen haben, wenn man schon vorbeifährt.






Knoblauch vorm Haus bringt Glück





Aber das eigentlich schöne an dem Tag war das eigentlich Ärgerliche - nämlich, dass wir uns am Weg zu so alten Steinen (die schaut sich Till gerne an - sogenannte Ausgrabungsstätten) komplett mit dem LKW in die Straße gegraben haben, quasi, wir mit unserem großen Ding einfach in einen kleinen Weg rein, ohne uns das vorher anzuschauen (ich hab das natürlich schon vorher  kommen sehen) und dann bleiben wir in den Bäumen hängen, rechts der Abgrund, links eine geschichtliche Steinmauer, kein Weiterkommen - zurückschieben ist angesagt. Ist - wie ihr euch vorstellen könnt - aber nicht so leicht mit einem so unhandlichen Fahrzeug. Ich bin aufs Dach rauf (schreckliche Erinnerungen an Westafrika kommen hoch) - hab die Äste abgeknickt bzw. weggehalten, während Till versucht hat zurückzuschieben - wäre da nicht dieser Abgrund neben uns, der sich schon zu senken beginnt wegen Schlumpfs Schwergewicht.
Naja, lange Rede, kurzer Sinn: irgenwie haben wirs da wieder rausgeschafft und sind dabei natürlich nicht ungesehen geblieben - quasi hat sich das halbe Dorf um uns versammelt.
Da muss man sich doch vorstellen und zumindest entschuldigen gehen - ich wäre vor Scham, dass wir da ihre ganzen Feigenbäume niedergemäht haben - lieber in den Erdboden versunken. Dem Till ist natürlich sowas nicht zu blöd und will wissen, wo er da denn parken kann.... Aaaaaa.
Und tatsächlich kommt ein Albaner zu Hilfe und zeigt uns den Platz vor seinem Haus, und meint, da können wir auf jeden Fall parken für die Dauer der alten-Steine-Besichtigung und zeigt uns auch noch den Weg dorthin.
Als wir wiederkommen, empfängt uns die Mutter des gastfreundlichen Albaners, der uns das Parken vor seinem Haus erlaubt hat. Freudig begrüßt sie uns (auf albanisch - wir verstehen kein Wort) und lädt uns auf einen Kaffee ins Haus ein (das Wort Kaffee ist doch international). Kann man einfach nicht ablehnen - wäre unhöflich! ;) Die Nachbarstochter, die neugierig zusieht, wird gleich als Übersetzerin (in der Schule lernen die Kinder auch Englisch) mitgenommen.
In der nächsten Stunde erleben wir albanisch pur - ehrliche Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Neugier. Wir bekommen den weltbesten Kaffee serviert, dazu selbstgemachten Saft aus einer unbekannten Frucht, Weintrauben aus dem Garten und Rakhi (aber nur für die Männer!)
Wir lachen gemeinsam, obwohl wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Zum Abschied schießen wir ein gemeinsames Foto und wir bekommen einen riesigen Sack voll Weintrauben mit... Eigentlich hätte uns die Familie auch noch eingeladen über Nacht zu bleiben - das wollten wir dann aber doch nicht - wollen doch keine Umstände machen (gelernt ist gelernt)
Es war ein schöner Nachmittag und der ganze anfängliche Ärger war schnell vergessen.
Gastfreundlichkeit in Albanien

parken vor dem Haus der Familie - die Oma werkt im Garten, als wir kommen.

die Nacht verbringen wir aber hier.