"Man reist nicht nur um anzukommen,
sondern vor allem, um unterwegs zu sein."

(Goethe)

05.05.2013

Ralley Burkina - St. Louis


Nach dem Maskenfest machen wir uns sogleich auf den Weg Richtung Grenze. Kurz vorher campen wir im Busch, um am nächsten Tag sehr früh zur Grenze Malis aufzubrechen. Noch am Nachmittag des 29. April erreichen wir Bamako und checken wieder im sleeping camel ein. Gleich fühlen wir uns wieder wohl in dieser sch... Hitze! Am nächsten Tag fahren wir morgens mit dem Taxi zur mauretanischen Botschaft und beantragen das Visum um es noch am selben Tag zu erhalten. 50 Euro für 1-Monats-Visum – jedenfalls billiger als in Dakar! Den restlichen Tag verbringen wir mit Wolfgang (der leider schon seit längerer Zeit mit einem Motorschaden in Bamako steht und nicht sehr viel Glück hatte).
Heute kümmern wir uns auch um unseren blinden Passagier, der wohl schon seit Burkina an Board sein dürfte und ganz ungeniert unsere Kartoffel und unser Klopapier isst. Wir kaufen eine Mausefalle bester Qualität (made in China) um einen Euro und stellen sie auf... mal schauen, ob es sich nicht doch um einen Geko handelt. 

Noch am darauffolgenden Tag verlassen wir Bamako und erreichen nach 11-stündiger Marathon-Fahrt (inkl. Grenze) nach 600 km Kèdougou im Senegal. Auf der Grenze war der Polizist, der den Passstempel macht, komplett fertig mit seiner Welt, als ich mit Till und meinem Pass zu ihm komme und nach dem Stempel frage. Er sah mich entsetzt an und fragte nach meinem Mann. Ich sage, er wartet im Auto. Dann wurde er völlig wütend und erklärte mir in einem lauten Ton, dass das Männersache sei, die Papiere zu erledigen. Das geht nicht, dass das die Frau macht. Ich solle gefälligst meinen Mann holen. Ich musste unpassenderweise lachen und erklärte ihm, dass wir das immer so machen: Till lenkt den LKW – ich erledige die Papiere an den Grenzen. Aber wenn er ihn unbedingt sehen will, hol ich ihn natürlich. Mit Tills Anwesenheit konnte er uns dann beruhigt in das Grenzbuch eintragen und unseren Pass abstempeln. Er wechselte nicht mal ein Wort mit uns. Warum er dazu unbedingt einen Mann braucht ist mir nicht ganz klar! :D C’est la vie en Afrique!
Kurz nach Kèdougou campen wir wieder im Busch. Unser Weg führt uns dann über Tambacounda, Touba und Louga in den Norden Senegals.

Nach unserer 5 Tages Ralley, in der wir insgesamt 1.824 km zurücklegten, erreichen wir am Abend des 3.Mai völlig erschöpft die Zebrabar in St. Louis. Jetzt gibt’s erstmal ein wohlverdientes Päuschen am klimatisierten Strand (angenehme 26° Tagestemperatur und wohlige 20° in der Nacht)
Achja, unser blinder Passagier blieb unbeeindruckt von der Mausefalle... Vielleicht schafft sie/er/es noch bis Marokko... ;)

LKW in Mali



Suicide-Kuh in Mali

Dörfer in Mali, mit schönen Tafelbergen im Hintergrund




Die Grenze zum Senegal - Tonnen markieren die Grenze!

auf Senegals Straßen


ohne Till wären sie wohl aufgeschmissen gewesen. Sie hatten keinen Tork Schraubenzieher dabei.

Das Mekka Senegals - die Stadt Touba

30.04.2013

Maskenfest in Logo Fourossou


In Bobo checken wir wieder im casa africa ein, wo wir auch bei unserem letzten Aufenthalt standen. Hier treffen wir auf Oliver (sein französischer Name) -  ein sehr sehr sympatischer und ehrlicher Kerl... Ich wollte ihn eigentlich nur fragen, ob er uns ein Taxi in die Stadt bestellen kann, da wir Einkäufe erledigen müssen. Er bietet sich sofort an uns mit seinem Auto in die Stadt zu bringen. Er lässt uns beim Markt raus und ich frage ihn, was er bekomme. Er meinte es ist ok, er will kein Geld! Wow. 

Später treffen wir ihn wieder und er lädt uns zum Dorf seiner Mutter ein, wo am Sonntag ein Maskenfest stattfinden wird. Wir sind so happy, dass wir mit ihm mitkommen dürfen um das Fest zu sehen. Am nächsten Tag kommt er gegen Mittag und wir fahren mit ihm zum ca. 10 km entfernten Dorf „Logo Fouroussou“ Wir können mit Schlumpf dort am Platz der Schule übernachten. Er macht mit uns eine obligatorische Dorfrunde, um uns den Leuten zu zeigen...
Später gehen Till und ich noch zum Dorfchef, der gerade auf ein paar Bier in der Bar sitzt und dabei wahrscheinlich wichtige Geschäfte erledigt (so viele Unterschiede zu Österreich gibt’s gar nicht) Wir bedanken uns bei ihm für die Gastfreundschaft und quatschen noch etwas über Korruption in Afrika. Natürlich ist Burkina dabei ausgenommen – es wird nur über andere Länder gesprochen! 
Den restlichen Tag werden wir noch von unzähligen Kindern begafft und von neugierigen Dorfbewohnern begrüßt.
Am folgenden Tag, am Sonntag, 28. April findet dann das Maskenfest statt. 
Maskenfeste finden in Bobo und den umliegenden Dörfern anlässlich "großer Beerdigungen" statt sowie vor dem Einsetzen der Regenzeit und dem Bestellen der Felder im April/Mai. Man unterscheidet verschiedene Masken, weiße, bunte, solche, die nur tagsüber rauskommen, andere nur nachts, es gibt Masken, die schlagen und andere, die wild tanzen, zum Teil wirklich akrobatisch, mit Überschlag, etc. Streng geheim gehalten wird der Träger der Maske, der Tänzer, er darf nicht erkannt werden. 
Das Fest, welches wir sehen ist ein Fest vor dem Einsetzen der Regenzeit und dem Bestellen der Felder und es findet gottseidank ohne den schlagenden Masken statt (das kann mitunter sehr gefährlich werden)
 Bereits am frühen Morgen ist das ganze Dorf in Aufruhr. Essens- und Getränkeständer werden aufgebaut, es wird gekocht, Cider gesoffen und die Leute schmeissen sich in schöne Gewänder. Gegen Mittag sollen dann die Masken tanzen... wobei sich alle auf einem Platz versammeln und sich im Kreis aufstellen... Die Stimmung, die dann aufkam, als die Masken eintrafen, kann ich leider nicht in Worte fassen. Es war ein einmaliges, beeindruckendes und aufregendes Erlebnis für uns, das wir wohl nie wieder vergessen werden... 


Dorfrunde in Logo Fourossou












Kinderbaum


ein akrobatischer Überschlag

Die Trommler (in den weißen Röcken) rufen die Masken zum Tanzen auf



auch Kinder tanzen manche Masken









29.04.2013

Von Togo zurück nach Burkina


Am nächsten Tag geht es wieder schnell voran. Wir fahren 230 km nach Kara. Die Straße ist nicht mal so schlecht, wie wir befürchtet haben. Das Schlimme an dieser Strecke sind eher die anderen Verkehrsteilnehmer, die mit ihren völlig kaputten Autos und LKWs komplett überladen mit VIEL zu hoher Geschwindigkeit uns entgegen kommen und/oder uns links oder rechts überholen. Wir sehen unzählige LKW Wracks neben der Straße (ein Wunder?), viele Pannen (ein Wunder?) und auch einen schweren Unfall, indem ein LKW und ein 40-Sitzer Bus involviert waren. Es ist lediglich ein Wunder, wenn hier jemand lebend ausgestiegen ist...
In Kara finden wir doch tatsächlich einen Campingplatz – wir sind jedoch die einzigen Gäste. Wir bleiben noch einen Tag mehr, da Wäsche waschen angesagt ist. Am 23. April erreichen wir dann die Grenze zu Burkina Faso. Auch dieses Mal hilft keine Diskussion – wir müssen wieder dieses scheiss „passavant“ kaufen. Hier will uns einfach keiner unser Carnet abstempeln! Einige km nach der Grenze verstecken wir uns im Busch zum übernachten. Erst am nächsten Tag erreichen wir gegen Abend Ouagadougou, wo wir unsere beiden Freunde, Nourig und Willi im Haus ihrer Familie besuchen. Wir verbringen auch den kommenden Tag bei ihnen im Haus und im Pool, planen unsere Heimreise über Spanien, Portugal und Frankreich, essen gut und viel und besuchen Oswald (Mann von Nourigs Cousine) in seinem professionellen Tonstudio. Am 25. April verlassen wir Ouaga ein Zweites Mal und fahren weiter Richtung Westen, nach Bobo. Auf der halben Strecke treffen wir doch tatsächlich die zwei Polen mit ihrem Fahrrad, die wir in Mauretanien kennen gelernt haben. Die Freude ist groß. Wir machen spontan eine Kaffeejause neben der Straße und tauschen unsere Reiseerlebnisse. Die beiden sind seit dem wir uns das Erste Mal getroffen haben über Senegal, Guinea, in die Elfenbeinküste bis nach Burkina gefahren. Eigentlich wollten sie in Ghana einreisen, haben aber kein Visum bekommen und somit wieder umdrehen müssen... Ein Wahnsinn wie klein doch Westafrika ist.


Alltag auf Togos Straßen


typische Behausungen im Norden Togos


Oswalds Tonstudio in Ouaga

Kaffeepause zwischen Ouaga und Bobo mit den zwei Radlern!

Markt in Bobo






24.04.2013

Togo: Regenwald und Schweizer Käse

Am 18. April fahren wir wieder zurück nach Kpalimé. Von dort aus geht es weiter in den Norden über eine traumhafte Piste (ca. 120 km) nach Badou. Da es die letzten Tage viel geregnet hat, war die Piste teilweise schlammig und Schlumpf durfte sich das erste Mal durch aufgeweichte afrikanische Erde kämpfen. Wir fahren durch eine ausgesprochen schöne Landschaft mit wundervollem Ausblick von der Danyi Hochebene auf den Regenwald, wir fahren durch hübsche Dörfer, mit romantischen Hütten und freundlichen Menschen. Manchmal mussten sich die Leute auf der Straße in den Busch werfen, um uns auszuweichen. Die Straßen waren teilweise so eng, dass wir gerade noch durchpassten. Erst am Abend kommen wir – völlig schlammig in Badou an. Die letzten 12 km mussten wir auf der „asphaltierten Hauptstraße“ fahren, wofür wir fast 2 Stunden brauchten. Das war keine Straße mehr, sondern ein schweizer Käse. Sie bestand quasi aus Schlaglöchern, wobei eines größer war als das andere. Zum Übernachten stellten wir uns in Badou auf den Platz vor einer Kirche.  Am nächsten Tag wollten wir eigentlich zu den Wasserfällen, 10 km südlich von Badou, die ebenfalls auf einer Piste zu erreichen sind. Die Piste war aber teilweise so schlammig und wir mussten einige Wasserdurchfahrten bewältigen, sodass wir nur sehr langsam vorankamen. Nach ca. 5 km lag dann auch noch ein Mann mitten auf der Piste, der wohl nicht mehr aufstehen konnte. Könnte ein Unfall gewesen sein. Keine Ahnung. Jedenfalls stehen wir so vor ihm und überlegen, was wir tun sollten, als uns auch schon ein Auto überholte, vor uns stehen blieb und die Männer ausstiegen. Wir dachten, sie helfen dem Mann und nehmen ihn mit. Nein, sie gehen zu ihm hin, packen ihn und werfen ihn einfach auf den Rand der Piste ins hohe Gras. Sie stiegen ein und winkten uns, dass wir jetzt vorbeifahren können.
Nach diesem Erlebnis haben wir beschlossen kehrt zu machen, wir wollten nicht mehr zu den Wasserfällen. Wir blieben noch mal bei dem Mann stehen, ich gab ihm Wasser und fragte ihn, ob ich ihm helfen könne. Am Rückweg kam uns auch schon ein Krankenwagen entgegen. Ich hoffe, sie haben ihn abgeholt und ihm helfen können...
Wir fuhren also die Schlammpiste wieder zurück nach Badou und machten uns auf in die 80 km entfernte Stadt Atakpamé. Da wir wussten, wie die Straße die ersten 12 km ist, planen wir gleich los zu fahren, wir wollen ja am selben Tag noch dort ankommen. Dieser Tag sollte unser schlimmster werden...
Für die 80 km brauchen wir geschlagene 6 1/2 Stunden. Eine Hauptstraße, „asphaltiert“, die einzige Verbindung zu der Stadt Badou, die auch LKWs fahren müssen. Sowas hab ich noch nicht gesehen. Ein einziger Teppich, voller tiefer Schlaglöcher. Es war fürchterlich, wir kamen kaum voran, der Tacho zeigte nicht mal eine Geschwindigkeit an, so langsam mussten wir fahren. Dabei überholten uns auch noch wahnsinnige Mopeds und Autos und von den entgegenkommenden LKWs will ich erst gar nicht erzählen...
Völlig fertig erreichen wir am Abend Atakpamé und finden gottseidank schnell einen Stellplatz bei einem Hotel. Essen – Bett – Tag vergessen! 

Am Weg von Kpalimé zur Regenwaldpiste
ein Dorf auf der Danyi Hochebene 

Frauen holen Brennholz

ein asphaltiertes Pistenstück

eine Kirche


ein Dorf irgendwo auf der Hochebene


schlamm schlamm schlamm

Einstieg in die Piste zu den Wasserfällen

rutschige Schlammpassage


Ein Kolonialhaus mitten in der Pampa
und so beginnt unsere Schweizer Käse Piste, das Interesse am Fotografieren hat dann schlagartig aufgehört!