Wir reisen am 3. September in Albanien ein. In Montenegro werden wir noch darauf hingewiesen, dass unsere grüne Versicherungskarte gar nicht für Montenegro gültig ist. Aber der Grenzbeamte meint augenzwinkernd, wir sollen schnell fahren, wir seien ja ohnehin gleich in Albanien. Können wir nur hoffen, dass das beim zurückfahren keinem auffallen wird. Wir verlassen
die EU und werden an der Grenze von freundlichen und scherzenden Grenzbeamten
begrüßt. Sie wollen wissen, ob wir da auch keine Waffen in unserem LKW haben
und können ihre Neugier befriedigen, indem sie einen kurzen Blick in unseren
Wohnaufbau werfen.
Wir passieren die Grenze in Hani i Hotit, fahren am Shkoder-See
entlang und checken im Campingplatz Nähe der Stadt Shkoder ein, mal schauen, ob
wir hier auf andere Overlander treffen und uns nähere Pisteninfos einholen
können...
Regen haben wir noch immer im Nacken, aber es ist bereits um eeeeeeiniges wärmer - ja sogar ziemlich schwül und wenn mal die Sonne rauskommt, funktioniert sogar unsere photovoltaik.
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| im Norden Albaniens gibts viel Wein |
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| viele Erinnerungen an Afrika |
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| Till steht vor einer sehr schwierigen Entscheidung |
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| und wenns mal nicht regnet, baden im Shkoder-See |
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| Wir treffen auf andere Overlander, Deutsche im schönen Mercedes LKW,
Bayer auf Weltreise im Syncro & Tschechen, die per Anhalter
unterwegs sind. Diesen Abend trinken wir Sliwowitsch. Prost. |
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| allgegenwertiges Bild in Albanien - Baustellen! |
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| ...oder Bauruinen! |
Albanien macht es anderen europäischen Ländern nach... Das Land war - ich glaube bis 1985 unter kommunistischer Regierung. Enver Hoxha griff damals zu brutaler Gewalt, um sich die Herrschaft im Lande auf Dauer zu sichern. Er isolierte das albanische Volk von jeglichem der internationalen Entwicklungsvorgänge. 1997 kam es dann zu einer Finanzkrise, infolge zu explosiven Gewaltausbrüchen, wobei es der Intervention der OSZE bedurfte, um wieder Stabilität herzustellen. Albanien möchte auch gern Mitglied der EU werden, gilt aber derzeit vielen in der EU als nicht beitrittsreif.
Auch der Tourismus boomt - vorallem an der Küste - überall wird gebaut und in Hotelanlagen, Straßennetz, Restaurants, Shops und dergleichen investiert. Außerdem gibts alle gefühlte Hundert Meter eine Tankstelle, alle haben einen anderen Namen, viele sogar das gleiche Logo mit anderem Namen oder umgekehrt. Wahrscheinlich einmal eine gute Geschäftsidee, in die viele investiert haben.
Wir besuchen die Stadt Kruja - ein UNESCO Weltkulturerbe - geschichtlich kennen wir uns überhaupt nicht aus, muss man trotzdem gesehen haben, sagt der Reiseführer ;) Tatsächlich nicht so schlecht, muss ma scho gesehen haben, wenn man schon vorbeifährt.
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| Knoblauch vorm Haus bringt Glück |
Aber das eigentlich schöne an dem Tag war das eigentlich Ärgerliche - nämlich, dass wir uns am Weg zu so alten Steinen (die schaut sich Till gerne an - sogenannte Ausgrabungsstätten) komplett mit dem LKW in die Straße gegraben haben, quasi, wir mit unserem großen Ding einfach in einen kleinen Weg rein, ohne uns das vorher anzuschauen (ich hab das natürlich schon vorher kommen sehen) und dann bleiben wir in den Bäumen hängen, rechts der Abgrund, links eine geschichtliche Steinmauer, kein Weiterkommen - zurückschieben ist angesagt. Ist - wie ihr euch vorstellen könnt - aber nicht so leicht mit einem so unhandlichen Fahrzeug. Ich bin aufs Dach rauf (schreckliche Erinnerungen an Westafrika kommen hoch) - hab die Äste abgeknickt bzw. weggehalten, während Till versucht hat zurückzuschieben - wäre da nicht dieser Abgrund neben uns, der sich schon zu senken beginnt wegen Schlumpfs Schwergewicht.
Naja, lange Rede, kurzer Sinn: irgenwie haben wirs da wieder rausgeschafft und sind dabei natürlich nicht ungesehen geblieben - quasi hat sich das halbe Dorf um uns versammelt.
Da muss man sich doch vorstellen und zumindest entschuldigen gehen - ich wäre vor Scham, dass wir da ihre ganzen Feigenbäume niedergemäht haben - lieber in den Erdboden versunken. Dem Till ist natürlich sowas nicht zu blöd und will wissen, wo er da denn parken kann.... Aaaaaa.
Und tatsächlich kommt ein Albaner zu Hilfe und zeigt uns den Platz vor seinem Haus, und meint, da können wir auf jeden Fall parken für die Dauer der alten-Steine-Besichtigung und zeigt uns auch noch den Weg dorthin.
Als wir wiederkommen, empfängt uns die Mutter des gastfreundlichen Albaners, der uns das Parken vor seinem Haus erlaubt hat. Freudig begrüßt sie uns (auf albanisch - wir verstehen kein Wort) und lädt uns auf einen Kaffee ins Haus ein (das Wort Kaffee ist doch international). Kann man einfach nicht ablehnen - wäre unhöflich! ;) Die Nachbarstochter, die neugierig zusieht, wird gleich als Übersetzerin (in der Schule lernen die Kinder auch Englisch) mitgenommen.
In der nächsten Stunde erleben wir albanisch pur - ehrliche Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Neugier. Wir bekommen den weltbesten Kaffee serviert, dazu selbstgemachten Saft aus einer unbekannten Frucht, Weintrauben aus dem Garten und Rakhi (aber nur für die Männer!)
Wir lachen gemeinsam, obwohl wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Zum Abschied schießen wir ein gemeinsames Foto und wir bekommen einen riesigen Sack voll Weintrauben mit... Eigentlich hätte uns die Familie auch noch eingeladen über Nacht zu bleiben - das wollten wir dann aber doch nicht - wollen doch keine Umstände machen (gelernt ist gelernt)
Es war ein schöner Nachmittag und der ganze anfängliche Ärger war schnell vergessen.
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| Gastfreundlichkeit in Albanien |
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parken vor dem Haus der Familie - die Oma werkt im Garten, als wir kommen.
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| die Nacht verbringen wir aber hier. |
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